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Über gut und böse, gerecht und ungerecht1 oder: Auch Richter sind nur Menschen
Dazu will ich eine orientalische Geschichte erzählen...2 Es ist die Geschichte von einem Vater, der mit seinem kleinen Sohn an einem sehr heißen Tag auf einer staubigen Landstraße unterwegs ist. Der Vater führt den Esel, auf dem der Kleine reitet. Es kommt ihnen eine Gruppe vor Menschen entgegen, und der Vater hört ihr Gespräch: »Schaut euch mal das an! Der Vater geht zu Fuß, und der Bub sitzt auf dem Esel. Wie der Vater diesen Kerl verwöhnt! Was soll denn aus dem mal werden?« Als der Vater das hört, nimmt er den Sohn vom Esel herunter, steigt selbst auf, und sie gehen weiter. Da kommt wieder eine Gruppe daher, die sagt: » Schaut euch bloß mal das an. Er reitet, und der Kleine muss an einem solch heißen Tag zu Fuß gehen. Hat er kein Mitleid mit dem Kind?« Darauf holt der Vater den Sohn zu sich auf den Esel. Nach einiger Zeit kommt ihnen eine dritte Gruppe entgegen, die spricht: »Zu zweit reiten sie auf dem armen Tier. Haben die kein Herz?« Darauf steigt der Vater ab, nimmt den Jungen vom Esel und beide beginnen, den Esel zu tragen. Es kommt eine weitere Gruppe aus der Gegenrichtung und... Ich überlasse es Ihnen, sich vorzustellen, was die sagen.
1 lesen Sie auch Bernd Rüthers, Das Ungerechte an der Gerechtigkeit, Zürich 1993
2 entnommen aus Paul Watzlawick, Vom Unsinn des Sinns oder Vom Sinn des Unsinns, München 1999, S. 50 f..
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